Wenn einem Ort viel an Stein gewordener Vergangenheit verloren gegangen ist,

dann muss sie besonders sorgsam mit dem Erhaltenen umgehen.

(angepasster Text aus dem Lapidarium bei der Schlossbergkirche von Chemnitz,

welcher dem Verfasser als Leitspruch für das Engagement für den Erhalt dieses Kulturgutes dient.)

Die Klostermauer Engelthal – Der Weg zur Sanierung

Die Ursprünge für die Bestrebungen zur Sanierung der Klostermauer sollen bereits in den 1920er Jahren liegen. Angesammelte Mittel waren der Inflation 1923 zum Opfer gefallen.

Die Umfassungsmauer des Klosterdorfes stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert, die erste Erwähnung findet sich aber erst im Jahr 1511. Im Pfinzingatlas von 1591 ist die gesamte Ringmauer dokumentiert.

Diese Mauer mit drei Toren, von denen noch zwei erhalten sind, hatte eine Länge von insgesamt etwa 1.200 Metern. Eine Bestandsaufnahme hat ergeben, dass noch etwa 48% an sichtbaren und versteckten Mauern, sowie Gebäuden der Umfassung vorhanden sind.

In Bayern existieren verschiedene Klosterdörfer. Solche mit Klostermauern in dieser Größe und Länge wie in Engelthal, sind dem Verfasser nicht bekannt.

Wir vertreten daher die Meinung, dass es sich bei der Klostermauer Engelthal um ein einmaliges Bauwerk dieser Art in Bayern handelt.

Die Gründung des „Klostermauervereins“ im Februar 1995 geht auf Anregungen anlässlich der Feiern zum Jubiläum „750 Jahre Engelthal“ zurück. Die Initiative ergriff der damalige Bürgermeisters der Gemeinde Engelthal, Peter Wojcik, der auch der erste Vorsitzende des Vereins wurde und das Amt bis zu seinem Ableben im Jahr 2013 ausübte.

Langsam tasteten wir uns an die für uns unbekannte Thematik heran. Ursprünglich waren wir der Meinung, dass es sich um ein Trockenmauerwerk handelt.

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Fachmännischen Rat erbaten wir uns vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und Experten des Bauarchivs in Thierhaupten. Anlässlich einer Besichtigung erklärte uns der Fachmann, dass es sich um ein zweischaliges Mauerwerk aus heimischem Kalkbruchstein handelt. Diese Mauer besteht aus zwei gemauerten Schalen mit einem Zwischenraum. Dieser Zwischenraum wird mit Steinen minderer Qualität, Bruchstücken und Bindemitteln verfüllt. Damit wurde uns klar, dass die Kosten für eine Sanierung günstiger werden, da der kostenintensive Einsatz von Spezialisten, wie z.B. Steinmetze für die Bearbeitung der Steine entfällt.

Bevor eine Sanierung begonnen werden konnte, war ein statisches Gutachten mit Fotodokumentation erforderlich. Die Fotodokumentation der Vorder- und Rückseite mit etwa 300 Aufnahmen, wurde in Eigenleistung erstellt, für das statische Gutachten ein Fachbüro beauftragt.

Teil des Gutachtens war eine Kostenschätzung für den südlichen Teil der Mauer. Die Schätzung belief sich damals auf 1 Million DM. Wie sich im Verlauf der späteren Sanierungen aber herausstellte, wurden und werden aufgrund des baulichen Zustandes einige sehr kostenträchtige Positionen nicht erforderlich, sodass die Gesamtkosten erheblich geringer sein werden.

Die Sanierungen und deren Finanzierung

Im Jahr 2001 wurde eine erste Musterfläche saniert. Der Bauabschnitt II folgte in den Jahren 2005 bis 2006.

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Nach finanzieller Erholung konnten 2014 und 2015 die aufwändigsten Sanierungsarbeiten der Bauabschnitte III und IV weitergeführt werden. Besondere Schwierigkeiten bereitete hier die Beseitigung von zahlreichen Wurzelstöcken von Haselbäumen. Wichtig war dabei, die noch vorhandenen Mauerteile nicht noch mehr zu schädigen, was den Fachleuten der heimischen Firma Volkmar Weiß und den Mitarbeitern des Bauhofes der Gemeinde Engelthal hervorragend gelang.

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Bereits 2016 wurden weitere Arbeiten des Bauabschnittes V mit einem Volumen von etwa 35.000,-- € begonnen.

Damit werden sich die Gesamtinvestitionen auf fast 190.000 € belaufen.

Förderungen erhalten wir vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung, dem Bezirk Mittelfranken und dem Landkreis Nürnberger Land und seit dem Jahr 2014 vom Amt für Ländliche Entwicklung im Zuge der Dorferneuerung. Eine Teilspende erhielten wir auch von der Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg.

Wir danken auch an dieser Stelle allen Zuschussgebern für deren wertvolle Förderung. Auch die Spenden der heimischen Wirtschaft und von Privatpersonen, die uns immer wieder zugehen, tragen zum erfreulichen Ergebnis bei.

Aufgrund der finanziellen Lage der politischen Gemeinde Engelthal beschränkte sich deren Unterstützung in Form von Sachaufwand und Hilfe des Bauhofpersonals. Der eigentliche Pflichtanteil der Gemeinde, welcher auch vom Verein getragen wurde, beträgt insgesamt fast 20.000,-- €.

Für die Sanierung hat der Förderverein aus selbst beschafften Mitteln den Betrag von insgesamt über 62.000,-- € aufgebracht!

Wenn es sich auch um kleinere Schritte für die Erhaltung der historischen Klostermauer handelt , so sind die erfolgreichen Bemühungen inzwischen sichtbar geworden.

Das Lob der Besucher für die gelungenen Arbeiten soll uns weiterhin Ansporn sein.

Mauerfunde

Wer an historischen Objekten arbeitet, wird wohl, wenn auch insgeheim, von einem Fund träumen.

Im Füllkern des zweischaligen Mauerwerks fanden sich in den Bauabschnitten III und IV Scherben unterschiedlichster Art. Glasierte Scherben datierte Kreisheimatpfleger Werner Sörgel ins Spätmittelalter 15. / 16. Jahrhundert.

Das größere Stück, eine Art Firstziegel konnte nicht zugeordnet werden. Bei einer Exkursion in Böhmen entdeckte der Verfasser in der Burg Velhartice (Welhartitz) einen fast identischen Teil eines Ziegels, der auch dem Mittelalter zugeordnet wurde.

Im Sommer 2017 wurde bei Grabarbeiten ein umfangreicher Waffenfund gemacht. Es handelt sich dabei um zwei Perkussionsgewehre, wohl militärisch um 1850, um drei unter-schiedlich große Blankwaffen, deutsche Bajonette um 1898 und einem kleinen Revolver (undatiert; Quelle: BLfD, archäolog. Denkmäler Mittelfranken/Schwaben).

Gefunden wurde noch die Metallspitze einer Bajonett-Scheide und die Quaste eines Portepee's (Standesabzeichen für Offiziere und Feldwebel). Die gefundenen Waffen sind stark beschädigt und korrodiert und für eine Ausstellung wenig interessant.

Nach Erinnerungen des Grundstückseigentümers waren am Ende des 2. Weltkrieges Männer des „Volkssturms“ in Engelthal, die beim Einmarsch der amerikanischen Truppen die Waffen dort vergraben haben sollen.

Nachdem nun die Eigenmittel des Fördervereins aufgebraucht sind, wird es einige Zeit dauern, die Sanierung fortzuführen.

Engelthal, im August 2017

Heini Liebel, Vorsitzender